Die große Solarlüge:
Warum das „Ein-Drittel-billiger“-Argument ein Machtargument ist

Kommentar
Großanlagen seien ein Drittel günstiger als kleine Dachanlagen. Mit diesem Satz wird derzeit versucht, den Förderstopp für private und mittelständische Photovoltaik ökonomisch zu rechtfertigen. Die Zahl stimmt – aber sie führt in die Irre. Denn sie vergleicht Baukosten, nicht Systemkosten. Und sie verschleiert eine Strukturverschiebung im Energiemarkt.
1. Der verkürzte Kostenvergleich
Ja, Solarparks sind pro Kilowattpeak günstiger zu errichten. Skaleneffekte, standardisierte Prozesse, günstige Modulpreise.
Doch wer nur die Errichtungskosten betrachtet, betreibt betriebswirtschaftliche Rosinenpickerei – keine Energiepolitik. Denn Energie ist kein Einzelprojekt, sondern ein System.
2. Was nicht in der Rechnung steht
- Netzausbau: Große Einspeisepunkte erzeugen hohe Infrastrukturkosten – bezahlt über Netzentgelte.
- Redispatch und Abregelung: Überschüsse müssen gesteuert oder vernichtet werden.
- Transportverluste: Strom wird nicht dort erzeugt, wo er verbraucht wird.
- Flächenkonflikte: Landwirtschaft gegen Energieproduktion.
Diese Kosten tauchen nicht im Businessplan des Projektentwicklers auf – sondern auf der Stromrechnung der Allgemeinheit.
3. Dezentralität ist kein Luxus, sondern Systemstabilität
Dachanlagen produzieren dort, wo Last entsteht. Sie reduzieren Netzbelastung, stärken Eigenverbrauch, stabilisieren Quartiere. Viele kleine Anlagen sind kein romantisches Ideal – sie sind eine Resilienzstrategie.
Wer sie schwächt, stärkt Konzentration.
4. Worum es wirklich geht
Ein Förderstopp für kleine Anlagen verändert nicht die Kostenstruktur – er verändert die Eigentumsstruktur.
Weniger private und mittelständische Betreiber bedeuten:
Mehr Marktanteile für große Projektierer
Mehr Kapitalmarktabhängigkeit
Weniger regionale Wertschöpfung
Weniger energiepolitische Teilhabe
Die Energiewende wird damit von einem Beteiligungsmodell zu einem Infrastrukturinvestmentmodell.
5. Der eigentliche Skandal
Die hohen Kosten kleiner Dachanlagen entstehen nicht durch Ineffizienz, sondern durch Bürokratie:
Individuelle Netzbetreiber-Vorgaben
Komplexe Zählerschranknormen
Unterschiedliche Anschlussbedingungen
Planungs- und Genehmigungsaufwand
