Frauen in Führungspositionen: Mittelstand oft weiter als Großunternehmen

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Arbeitsmarkt & Unternehmensführung

Der Frauenanteil in Führungspositionen in Deutschland ist 2026 auf den niedrigsten Stand seit sechs Jahren gefallen. Eine aktuelle Analyse des Informationsdienstleisters CRIF zeigt zugleich erhebliche regionale und strukturelle Unterschiede – und ein überraschendes Ergebnis: In kleinen Unternehmen sind Frauen deutlich häufiger in Führungsrollen vertreten als in großen Konzernen.

Frauen weiterhin deutlich unterrepräsentiert

Bundesweit kommen laut CRIF derzeit lediglich 75 weibliche Führungskräfte auf 10.000 Einwohner. Bei Männern liegt dieser Wert mit 380 Führungskräften je 10.000 Einwohner mehr als fünfmal so hoch. Trotz intensiver politischer Debatten über Gleichstellung bleibt die strukturelle Lücke damit weiterhin erheblich.

Auch regional zeigen sich deutliche Unterschiede. Besonders viele weibliche Führungskräfte finden sich in den Stadtstaaten:

  • Hamburg: 134 weibliche Führungskräfte je 10.000 Einwohner
  • Berlin: 123
  • Brandenburg: 105

Im Mittelfeld liegen Bundesländer wie Bayern (82), Hessen (85) oder Bremen (83). Am unteren Ende der Statistik befinden sich Rheinland-Pfalz (57) sowie Sachsen-Anhalt und Thüringen mit jeweils 60 weiblichen Führungskräften pro 10.000 Einwohner.
Der Vergleich mit männlichen Führungskräften zeigt jedoch: In allen Bundesländern dominieren weiterhin Männer in leitenden Funktionen – unabhängig von Wirtschaftsstruktur oder Bevölkerungsgröße.

Frauenquote auf Sechsjahrestief

Der Anteil von Frauen an Führungspositionen liegt laut Analyse aktuell bei 23,5 Prozent und erreicht damit den niedrigsten Wert seit sechs Jahren.

Auffällig ist dabei ein weiterhin klarer Ost-West-Unterschied. In mehreren ostdeutschen Bundesländern liegt der Anteil weiblicher Führungskräfte deutlich über dem Bundesdurchschnitt:

  • Brandenburg: 28,3 Prozent
  • Mecklenburg-Vorpommern: 27,5 Prozent
  • Sachsen: 26,9 Prozent

Westdeutsche Bundesländer liegen deutlich darunter. In Hamburg beträgt der Anteil 21,4 Prozent, in Baden-Württemberg 21,3 Prozent und in Bremen sogar nur 19,4 Prozent.

Diese Unterschiede haben historische Ursachen. Erwerbsmodelle, Vollzeitquoten von Frauen sowie branchenspezifische Wirtschaftsstrukturen wirken bis heute nach und prägen weiterhin die Verteilung von Führungsrollen.

Branchenstruktur entscheidet über Karrierechancen

Besonders deutlich werden die Unterschiede beim Blick auf einzelne Branchen. Während in technisch geprägten Industriezweigen Frauen weiterhin selten in Leitungspositionen vertreten sind, zeigen andere Sektoren deutlich höhere Werte.

  • Gesundheitswesen: 39,4 Prozent weibliche Führungskräfte
  • Handel und Verlagswesen: überdurchschnittliche Anteile
  • Maschinenbau: 10,4 Prozent
  • Energieversorgung: 11,3 Prozent
  • Logistik und Schifffahrt: rund 10 bis 11 Prozent

Diese Zahlen zeigen, dass nicht allein Gleichstellungspolitik, sondern vor allem die Branchenstruktur über Karrierewege entscheidet. Technisch-industrielle Sektoren haben traditionell einen geringeren Frauenanteil in der Gesamtbelegschaft – was sich auch in der Führungsebene widerspiegelt.

Überraschender Befund: Mittelstand mit höherem Frauenanteil

Eine besonders interessante Erkenntnis der Analyse betrifft die Unternehmensgröße. In kleinen Betrieben mit bis zu zehn Beschäftigten liegt der Anteil weiblicher Führungskräfte bei 29,9 Prozent und damit deutlich über dem Bundesdurchschnitt.

Mit wachsender Unternehmensgröße sinkt dieser Wert jedoch deutlich. In Großunternehmen mit mehr als 100 Millionen Euro Jahresumsatz liegt der Frauenanteil in Führungspositionen nur noch bei 12,3 Prozent.

Damit zeigt sich ein bemerkenswertes Muster: Während öffentliche Debatten häufig den Mittelstand als Nachzügler darstellen, sind Frauen in kleinen und mittleren Unternehmen vielfach stärker in Führungsverantwortung eingebunden als in großen Konzernstrukturen.

Aufsichtsräte: Fortschritte, aber weiterhin große Lücke

Auch in den Aufsichtsgremien deutscher Unternehmen bleibt die Repräsentation von Frauen begrenzt. Der Frauenanteil in Aufsichtsräten liegt aktuell bei 20,5 Prozent und ist damit gegenüber dem Vorjahr nur leicht gestiegen.
Besonders gering ist der Anteil in den Spitzenpositionen: Nur etwa jeder zehnte Aufsichtsratsvorsitz wird von einer Frau ausgeübt.

Analyse: Struktur schlägt Quote

Die Ergebnisse der CRIF-Studie zeigen, dass der Frauenanteil in Führungspositionen weniger von politischen Debatten als von strukturellen Faktoren geprägt wird. Branchenstruktur, Unternehmensgröße sowie regionale Erwerbsmodelle wirken stärker auf Karrierewege als einzelne regulatorische Maßnahmen.
Bemerkenswert ist dabei insbesondere der Befund, dass kleine und mittlere Unternehmen häufiger Frauen in Führungsrollen integrieren als große Konzerne. Für den deutschen Mittelstand, der traditionell stärker inhabergeprägt und flexibler organisiert ist, bestätigt dies einmal mehr seine besondere Rolle in der Unternehmenslandschaft.

Quelle

CRIF GmbH:
Analyse zu Frauen in Führungspositionen
in Deutschland, Auswertung von rund
1,8 Millionen Führungspositionen in
mehr als einer Million Unternehmen
(Stand: 03. März 2026).