Hufschmied: Vom Schleifbetrieb zur spezialisierten Werkzeugfertigung

Mit drei Maschinen begann Hufschmied Zerspanungssysteme vor 20 Jahren den Aufbau einer eigenen Fertigung. Heute verbindet das Unternehmen Präzisionswerkzeuge mit Prozessberatung und digitaler Produktionssteuerung. Die Entwicklung zeigt, wie sich ein Mittelständler durch Spezialisierung und Kundennähe industrielle Kompetenz erarbeitet.

Wer Kunststoffe, Faserverbundwerkstoffe oder Keramik bearbeitet, braucht Werkzeuge, die auf die Eigenschaften des jeweiligen Materials abgestimmt sind. Genau darauf hat sich die Hufschmied Zerspanungssysteme GmbH aus Bobingen bei Augsburg spezialisiert. Das 1991 gegründete Unternehmen entwickelt Werkzeuge und Bearbeitungslösungen unter anderem für Anwendungen in der Automobilindustrie, der Luftfahrt und der Medizintechnik.

Ein wichtiger Schritt war 2006 die Übernahme eines Werkzeugschleifbetriebs in Winterlingen auf der Schwäbischen Alb. Drei Maschinen bildeten den Ausgangspunkt der eigenen Produktion. Nach Unternehmensangaben stieg die jährliche Fertigung von zunächst rund 2.000 auf 800.000 Werkzeuge im Jahr 2025.

Kundenspezifische Lösungen als Geschäftsprinzip

Hinter dieser Entwicklung steht eine ausgeprägte Spezialisierung: Rund 80 Prozent der bei Hufschmied produzierten Werkzeuge sind nach Angaben des Unternehmens individuelle Sonderlösungen. Sie entstehen aus der Zusammenarbeit mit Kunden, deren Werkstücke, Materialien und Maschinen besondere Anforderungen stellen.

Dabei geht es um mehr als die Lieferung eines passenden Fräsers. In der Prozessberatung werden Werkzeuggeometrie und Werkzeugwege auf die jeweilige Bearbeitungsaufgabe abgestimmt. Als Ausgangsbasis dienen rund 300 Standardgeometrien für unterschiedliche Werkstoffe.

Die eigene Fertigung schafft dafür Handlungsspielraum. Hufschmied kann die Ausführung seiner Werkzeuge entlang der Prozesskette bis hin zur Beschichtung beeinflussen und Entwicklungen in die Produktion überführen.

„Mit unserer Fertigung, die die komplette Prozesskette umfasst, haben wir die Freiheit, Innovationen und Entwicklungen zügig umzusetzen“, erklärt Geschäftsführerin Christel Hufschmied.

Wachstum an mehreren Standorten

Mit dem Produktionsvolumen wuchs auch das Fertigungsnetz. Zum Standort Winterlingen kam 2022 ein Werk in Sigmaringen hinzu, 2025 folgte ein Produktionsstandort in Mexiko. Am Hauptsitz in Bobingen befinden sich neben dem Technologiezentrum ebenfalls Fertigungskapazitäten. Dort erfolgen die Diamantbeschichtung und die Herstellung von Werkzeugen für Dentalanwendungen.

In Winterlingen entstehen Standardwerkzeuge und kundenspezifische Ausführungen mit Durchmessern von 0,05 bis 20 Millimetern. Die Bandbreite verdeutlicht die Anforderungen an Präzision und Qualitätssicherung.

Digitalisierung bis zum einzelnen Werkzeug

Zur Rückverfolgbarkeit erhält jedes Werkzeug einen Data-Matrix-Code. Damit lassen sich die zugehörigen Fertigungsschritte von der Materialcharge bis zur abschließenden Vermessung nachvollziehen. Die Werkzeugdaten können Kunden auch für ihr Werkzeugmanagement und für die Simulation mit einem digitalen Zwilling nutzen.

Ein weiteres Entwicklungsfeld ist die Überwachung der Bearbeitung. Das 2022 entwickelte System SonicShark verbindet Körperschallsensoren mit lernfähiger KI. Es soll Auffälligkeiten im Prozess, Unterschiede im Material und beginnenden Werkzeugverschleiß erkennen.

Auch die eigene Produktionsorganisation wird digitalisiert. Mit dem Fertigungsmanagementsystem HYDRA X und der Planungssoftware FEDRA verknüpft Hufschmied Planung und Werkstatt. Aktuelle Produktionsdaten und eine auf geringere Rüstzeiten abgestimmte Auftragsfolge sollen helfen, Maschinen besser auszulasten und Liefertermine verlässlicher zu planen.

Kompetenz als Grundlage der Entwicklung

Die Geschichte von Hufschmied zeigt einen Weg, der für spezialisierte Mittelständler bedeutsam ist: Fertigungswissen aufbauen, Kundenprobleme verstehen und die dafür nötigen Technologien weiterentwickeln. Das Werkzeug bleibt das Produkt. Der Anspruch, den gesamten Bearbeitungsprozess zu verbessern, prägt das Geschäftsmodell.

Quelle:
Unternehmensangaben der Hufschmied Zerspanungssysteme GmbH,
28. Oktober 2026.