Deutsche Konjunktur: Der Wettbewerbsverlust ist hausgemacht – nicht nur China

Produktionskosten-vs.-Exportpreise_-Deutschland-vs.-China

HINTERGRUND

Die wirtschaftliche Debatte über Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit konzentriert sich häufig auf China und den Vorwurf unfairer Exportpraktiken. Eine differenzierte Betrachtung der Preisentwicklung zeigt jedoch: Der preisliche Wettbewerbsverlust deutscher Unternehmen ist in erheblichem Umfang auf die eigene Kostenstruktur zurückzuführen – mit spürbaren Folgen für Investitionen, Exporte und das Geschäftsklima.

China unter Druck – und unter Beobachtung

China steht seit Jahren im Verdacht, durch staatliche Subventionen und niedrige Exportpreise Wettbewerbsvorteile zu erzielen. Nach der Verschärfung der US-Zollpolitik verlagerte sich der Fokus chinesischer Exporte verstärkt auf alternative Absatzmärkte, insbesondere auf den EU-Binnenmarkt. In der Folge konnte China seinen Importanteil in Europa ausbauen.

Die Entwicklung chinesischer Preise zeigt dabei ein differenziertes Bild: Während die Exportpreise insbesondere im Jahr 2023 deutlich sanken, gingen die inländischen Erzeugerpreise weniger stark zurück. Seit 2024 steigen die Exportpreise wieder leicht an, während die Erzeugerpreise weiter unter Druck stehen.

Niedrige Exportpreise sind jedoch nicht ausschließlich als „Dumping“ zu interpretieren. Überkapazitäten, ein investitionsgetriebenes Wachstumsmodell sowie eine hohe Sparquote infolge demografischer Entwicklungen und Unsicherheiten am Immobilienmarkt tragen ebenfalls zum Preisdruck bei.

Deutschlands Kostenproblem seit 2020

Im internationalen Vergleich fällt vor allem die Preisentwicklung in Deutschland auf. Während die chinesischen Erzeugerpreise seit Anfang 2020 nur geringfügig gestiegen oder zuletzt sogar gesunken sind, liegen die deutschen Erzeugerpreise aktuell rund 40 Prozent über dem Niveau von Anfang 2020. Auch die deutschen Exportpreise sind im gleichen Zeitraum um etwa 25 Prozent gestiegen.

Für exportorientierte Unternehmen – insbesondere im industriellen Mittelstand – hat diese Entwicklung erhebliche Konsequenzen. Steigende Energiepreise, höhere Lohnkosten und zunehmende regulatorische Belastungen lassen sich auf internationalen Märkten nur begrenzt weitergeben. Der Wettbewerbsdruck nimmt zu, während Margen sinken.

Erzeuger- und Exportpreise als Wettbewerbsindikator

Die wachsende Diskrepanz zwischen Erzeuger- und Exportpreisen liefert wichtige Hinweise auf die Wettbewerbsfähigkeit. In China kann sie auf Subventionen oder strategische Preisgestaltung hindeuten. In Deutschland hingegen spricht sie für einen zunehmenden Kosten- und Margendruck: Unternehmen sehen sich gezwungen, steigende Produktionskosten teilweise selbst zu tragen, um international konkurrenzfähig zu bleiben.

Diese Entwicklung erschwert Investitionsentscheidungen, schwächt die Innovationskraft und erhöht den Anpassungsdruck entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Auswirkungen auf Konjunktur und Geschäftsklima

Vor diesem Hintergrund überrascht die gedämpfte Stimmung im verarbeitenden Gewerbe kaum. Das ifo-Geschäftsklima signalisiert seit Monaten Zurückhaltung bei Investitionen und eine verhaltene Erwartungshaltung. Der preisliche Wettbewerbsverlust wirkt dabei wie ein struktureller Bremsklotz für den exportabhängigen Wachstumsmotor Deutschlands.

Solange die Kostenbasis hoch bleibt und sich die internationalen Wettbewerbsbedingungen nicht verbessern, ist eine nachhaltige Stimmungsaufhellung schwer vorstellbar.

Einordnung für den Mittelstand

Die Analyse macht deutlich: Der Fokus allein auf externe Faktoren greift zu kurz. Für die mittelständische Wirtschaft rücken vielmehr standortpolitische Fragen in den Vordergrund. Wettbewerbsfähige Energiepreise, planbare Arbeitskosten und effizientere Verwaltungsprozesse sind entscheidend, um Investitionen wieder attraktiver zu machen.
Ohne spürbare Verbesserungen auf der Angebotsseite droht der preisliche Wettbewerbsverlust weiter zuzunehmen – unabhängig davon, wie sich der internationale Handel entwickelt.

Fazit

Der internationale Wettbewerbsdruck auf deutsche Exporte ist real, doch er lässt sich nicht allein mit China erklären. Ein erheblicher Teil des Problems liegt in der Entwicklung der heimischen Kostenstruktur seit 2020. Für eine Stärkung der deutschen Konjunktur und des Mittelstands sind daher angebotsseitige Reformen ein zentraler Hebel.


Quelle:IKB Deutsche Industriebank AG,Blog/Analyse zur preislichen Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands und Chinas, unter Bezugnahme auf aktuelle Daten zu Erzeuger- und Exportpreisen sowie auf das ifo-Geschäftsklima.

Datengrundlage (Auswahl):
– IKB Deutsche Industriebank AG (ökonomischer Blog / Marktanalyse)
– ifo Institut: ifo Geschäftsklimaindex (aktuelle Berichtsmonate)
– Nationale und internationale Preisindizes (Erzeuger- und Exportpreise)

Hinweis:
Die im Beitrag genannten Prozentangaben und Relationen (u. a. zur Entwicklung von Erzeuger- und Exportpreisen seit 2020) basieren auf der Analyse der IKB Deutsche Industriebank AG sowie auf dort zitierten ifo-Daten. Der Beitrag dient der wirtschaftlichen Einordnung für den Mittelstand und erhebt keinen Anspruch auf eine vollständige volkswirtschaftliche Gesamtdarstellung.

Redaktion Mittelstandsjournal