Bau schwächelt, Bahn wächst: Wie Rhomberg sich behauptet

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Unternehmen & Mittelstand

Die Baukrise trifft auch etablierte Familienunternehmen. Die österreichische Rhomberg Gruppe kann den Rückgang im Baugeschäft durch Wachstum in der Bahntechnik ausgleichen. Das Beispiel zeigt, wie unterschiedliche Geschäftsfelder ein Unternehmen stabilisieren können – und warum Investitionen in Infrastruktur erst dann ihre volle Wirkung entfalten, wenn auch Personal und Umsetzungskapazitäten vorhanden sind.

140 Jahre Unternehmensgeschichte schützen nicht vor schwierigen Märkten. Die Rhomberg Gruppe aus Bregenz verzeichnete im Geschäftsjahr 2025/26 im Baubereich einen deutlichen Rückgang: Die Betriebsleistung sank nach Unternehmensangaben um knapp elf Prozent von 584 auf 521 Millionen Euro. Hohe Baukosten, schwierige Finanzierungsbedingungen und wirtschaftliche Unsicherheit belasten das Geschäft. Besonders betroffen ist nach Aussage der Geschäftsführung der eigenfinanzierte Wohnbau.

Gleichzeitig legte die Rhomberg Sersa Rail Group, an der Rhomberg und der Schweizer Unternehmer Konrad Schnyder jeweils zur Hälfte beteiligt sind, um zehn Prozent auf 898 Millionen Euro zu. Über beide Bereiche hinweg erreichte die Gesamtleistung rund 1,42 Milliarden Euro nach 1,4 Milliarden Euro im Vorjahr. Die Beschäftigtenzahl stieg auf gut 4.100.

Hinter dem leichten Wachstum der Gruppe stehen damit zwei gegenläufige Entwicklungen. Die Bahntechnik gleicht die Schwäche des Baugeschäfts aus. Über die Ertragslage sagen diese Leistungszahlen allerdings wenig aus: Angaben zu Gewinn und Margen enthält die Mitteilung nicht.

Wohnungsbau braucht verlässliche Auftraggeber

BRomberg-Gruppe-Bau.emerkenswert ist, wo Rhomberg im schwierigen Baumarkt weiterhin Nachfrage sieht: unter anderem im Geschäft mit gemeinnützigen Wohnbauträgern. Nach eigenen Angaben arbeitet das Unternehmen mit allen fünf in Vorarlberg aktiven gemeinnützigen Anbietern zusammen. Hinzu kommen Mitarbeiterwohnungen, Sanierungen und weitere Projekte.

Darin liegt ein wohnungspolitisch interessanter Ansatz. Gemeinnützige Wohnbauträger können auch für private Bauunternehmen wichtige Auftraggeber sein. Sozial orientierter Wohnungsbau und unternehmerische Tätigkeit greifen hier ineinander.

Aus einem Unternehmensbeispiel lässt sich zwar kein allgemeines Erfolgsrezept ableiten. Es gibt aber Anlass, genauer hinzusehen: Welche Träger können unter schwierigen Bedingungen noch bauen? Wie werden ihre Projekte finanziert? Und welche Planungs- und Bauverfahren helfen, bezahlbaren Wohnraum tatsächlich zu schaffen?

Infrastruktur braucht mehr als Geld

Im Bahngeschäft beschreibt Rhomberg eine andere Herausforderung. Hier fehlt es nach Darstellung der Geschäftsführung weniger an Aufträgen als an qualifizierten Fachkräften.

Das ist auch für die deutsche Infrastrukturpolitik ein wichtiger Hinweis. Finanzierte Vorhaben brauchen Unternehmen, die sie personell und technisch bewältigen können. Ohne entsprechende Kapazitäten bleibt zwischen Investitionsentscheidung und fertigem Projekt eine erhebliche Lücke.

Die Bahnsparte investiert deshalb nach eigenen Angaben rund 60 Millionen Euro in Standorte in Österreich, Deutschland und der Schweiz. In Wels, Spremberg und Landquart entstehen unter anderem zusätzliche Einrichtungen für Instandhaltung, Fertigung und Lagerung.

Für mittelständische Spezialisten und Zulieferer stellt sich dabei zugleich die Frage, wie sie Zugang zu großen Infrastrukturvorhaben erhalten. Rhomberg berichtet von einem Trend zu umfangreicheren und langfristigen Aufträgen. Eine mittelstandsfreundliche Vergabe muss deshalb auch leistungsfähigen kleineren Unternehmen Beteiligungsmöglichkeiten eröffnen.

Digitalisierung muss auf der Baustelle funktionieren

Romberg-Gruppe-BahnAnschaulich wird der technologische Wandel bei der Baufortschrittskontrolle. Auf einem Abschnitt des Bahnkorridors Hamburg–Berlin setzt die Gruppe nach eigenen Angaben ein System ein, das Sensordaten, GPS-Signale und Drohnenaufnahmen mithilfe künstlicher Intelligenz verarbeitet. Die Ergebnisse sollen dem Projektteam eine zeitnahe Übersicht über den Baufortschritt ermöglichen.

Hinzu kommen digitale Gebäudemodelle, vernetzte Planung und die Überwachung des Energieverbrauchs im Gebäudebetrieb. Der wirtschaftliche Maßstab dafür ist konkret: Werden Abläufe verlässlicher, Fehler früher erkannt und Ressourcen sparsamer eingesetzt? Die Pressemitteilung beschreibt entsprechende Anwendungen, liefert allerdings keine unabhängig überprüften Zahlen zu den erzielten Einsparungen.

Fazit: Zukunftsfähigkeit braucht unternehmerische und politische Voraussetzungen

Rhomberg zeigt, wie ein Familienunternehmen mit mehreren Geschäftsfeldern, technischen Entwicklungen und Investitionen auf schwierige Bedingungen reagiert. Die Baukrise verschwindet dadurch nicht. Aber das Unternehmen erschließt sich Handlungsspielräume.

Für die Wirtschaftspolitik ergibt sich daraus eine klare Aufgabe: Wohnungsbau ermöglichen, Infrastrukturinvestitionen verlässlich umsetzen und die dafür notwendigen Fachkräfte und Unternehmenskapazitäten mitdenken. Unternehmen müssen den Wandel gestalten können. Dafür brauchen sie Rahmenbedingungen, unter denen sich langfristiges Engagement auch rechnet.

Quelle: Medieninformation der Rhomberg Gruppe vom 16. Oktober 2026
zum Geschäftsjahr 2025/26, Bilanzstichtag 31. März 2026.
Unternehmenszahlen und Projektangaben
nach Darstellung des Unternehmens.