Führt der Bankrotteur Trump auch die USA in den Bankrott?

Trump am Schuldenberg

Hintergrund & Analysen

Donald Trump war nie ein erfolgreicher Unternehmer im klassischen Sinne. Sein eigentliches Geschäftsmodell bestand darin, Größe zu inszenieren, Risiken mit fremdem Geld zu finanzieren und Verluste auf Banken, Geschäftspartner oder Investoren abzuwälzen. Nun verfährt er mit den Vereinigten Staaten ähnlich. Einen förmlichen Staatsbankrott wird das Land vermutlich vermeiden können. Doch der wirtschaftliche und institutionelle Schaden kann kaum geringer sein.

Donald Trump ist nicht persönlich in Insolvenz gegangen. Sechs seiner Unternehmen mussten jedoch Gläubigerschutz nach dem amerikanischen Insolvenzrecht beantragen. Das ist mehr als eine biografische Randnotiz. Es beschreibt ein wirtschaftliches Prinzip: hohe Verschuldung, übertriebene Wachstumsversprechen, demonstrativer Luxus – und am Ende tragen andere einen erheblichen Teil der Rechnung.

Heute steht Trump nicht mehr an der Spitze eines Casino- oder Immobilienunternehmens. Er verfügt über den Haushalt, die Handelspolitik und einen beträchtlichen Teil der wirtschaftspolitischen Macht der Vereinigten Staaten. Und erneut lautet das Versprechen: Steuersenkungen, Protektionismus und politischer Druck sollen Wachstum erzeugen, ohne dass jemand für die Kosten aufkommen muss.

40 Billionen Dollar Schulden

Die amerikanische Staatsverschuldung hat im August 2026 die Marke von 40 Billionen Dollar überschritten. Für das laufende Haushaltsjahr erwartet das überparteiliche Congressional Budget Office ein Defizit von rund 1,9 Billionen Dollar. Das entspricht 5,8 Prozent der Wirtschaftsleistung – in einer Zeit, in der sich die Vereinigten Staaten nicht in einer schweren Rezession befinden.

Noch alarmierender ist die langfristige Entwicklung. Die öffentlich gehaltenen Bundesschulden sollen von rund 101 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2026 auf 120 Prozent im Jahr 2036 steigen. Die jährlichen Nettozinsausgaben würden dann 4,6 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung erreichen.

Damit fließt ein immer größerer Anteil der Staatseinnahmen nicht mehr in Infrastruktur, Forschung, Bildung oder soziale Sicherheit, sondern allein an die Gläubiger des Staates. Die Zinsen beginnen, den politischen Handlungsspielraum der USA aufzufressen.

Trump hat diese Entwicklung nicht allein verursacht. Republikanische wie demokratische Regierungen haben über Jahrzehnte mehr ausgegeben, als sie eingenommen haben. Auch Sozialversicherung, Medicare, militärische Verpflichtungen sowie die Folgen der Finanz- und Coronakrisen tragen zur Verschuldung bei.

Aber Trump verschärft das Problem bewusst. Die 2025 beschlossenen Steuer- und Ausgabenänderungen erhöhen nach Berechnungen des Congressional Budget Office die erwarteten Defizite einschließlich der zusätzlichen Zinskosten um rund 4,7 Billionen Dollar. Das ist keine unbeabsichtigte Nebenwirkung. Es ist der Preis seiner Politik.

Zölle sind keine kostenlose Einnahmequelle

Trump behauptet, ausländische Unternehmen und Staaten würden seine Zölle bezahlen. Tatsächlich werden die Abgaben zunächst von amerikanischen Importeuren entrichtet. Diese reichen die Kosten, soweit es der Markt zulässt, an Unternehmen und Verbraucher weiter.

Der Internationale Währungsfonds erwartet, dass die höheren Zölle dem Staat kurzfristig erhebliche Einnahmen bringen. Zugleich wirken sie jedoch wie ein negativer Angebotsschock: Sie verteuern Produkte, erhöhen den Inflationsdruck und vermindern die Wirtschaftsleistung.

Zölle können in einzelnen strategischen Bereichen sinnvoll sein, wenn sie dem Schutz kritischer Industrien oder der Abwehr unfairer Handelspraktiken dienen. Trumps nahezu wahlloser Einsatz von Zöllen verfolgt jedoch keine konsistente Industriepolitik. Er ersetzt Strategie durch Drohung und Verlässlichkeit durch persönliche Willkür.

Für den Mittelstand ist das besonders gefährlich. Große Konzerne können Lieferketten verlagern, politische Ausnahmen aushandeln und zusätzliche Kosten über zahlreiche Märkte verteilen. Kleine und mittlere Unternehmen besitzen diese Möglichkeiten meist nicht. Sie tragen höhere Einkaufspreise, unsichere Kalkulationen und das Risiko kurzfristiger Gegenmaßnahmen anderer Staaten.

Ein Staat ist kein Casino

Die USA können nicht ohne Weiteres wie eines von Trumps Unternehmen bankrottgehen. Sie verschulden sich in ihrer eigenen Währung. Die amerikanische Notenbank kann grundsätzlich Dollar schaffen, und der Dollar bleibt die wichtigste Reserve- und Handelswährung der Welt. Solange Anleger amerikanische Staatsanleihen kaufen, kann Washington alte Schulden durch neue ersetzen.

Gerade darin liegt aber die Versuchung. Wer seine eigene Währung kontrolliert, muss nicht offen zahlungsunfähig werden. Er kann die Last seiner Schulden durch Inflation, Währungsabwertung und finanzielle Repression auf die Bevölkerung verteilen.

Der amerikanische Bankrott würde deshalb wahrscheinlich nicht als förmliche Insolvenz stattfinden. Er käme schleichend: durch steigende Zinskosten, höhere Preise, vernachlässigte Infrastruktur, gekürzte Sozialleistungen und sinkende private Investitionen. Hinzu käme ein allmählicher Vertrauensverlust in die wirtschaftliche und politische Verlässlichkeit der Vereinigten Staaten.

Ein tatsächlicher Zahlungsausfall wäre dennoch möglich – allerdings nicht aus ökonomischer Notwendigkeit, sondern durch politische Verantwortungslosigkeit. Wenn Präsident und Kongress die gesetzliche Schuldengrenze zum Machtinstrument machen und bereits beschlossene Ausgaben nicht mehr finanzieren, könnten die Vereinigten Staaten ihre Zahlungen zeitweise einstellen. Das wäre ein selbst herbeigeführter Staatsbankrott.

Die eigentliche Insolvenz ist institutionell