Handwerk unter Druck: Aufträge fehlen, Insolvenzen steigen

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Mittelstand & Konjunktur

Die wirtschaftliche Lage im deutschen Handwerk bleibt angespannt. Trotz leichter Stimmungsaufhellung kämpfen viele Betriebe weiterhin mit schwacher Nachfrage, steigenden Kosten und wachsendem Nachfolgeproblem. Eine neue Studie von Creditreform zeigt: Insolvenzen steigen, Personal wird abgebaut – und für viele Betriebe steht die Zukunft auf dem Spiel.

Konjunktur bleibt schwach

Die wirtschaftliche Stimmung im Handwerk hat sich nach dem historischen Tiefpunkt im Vorjahr nur geringfügig verbessert. Laut aktueller Untersuchung der Creditreform Wirtschaftsforschung stieg der Saldo aus positiven und negativen Geschäftslagebewertungen lediglich von 45,8 auf 47,0 Punkte. Damit bleibt das Niveau deutlich unter früheren Jahren.
„Von einer echten konjunkturellen Wende kann keine Rede sein“, erklärt Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung.
25,5 Prozent der Handwerksbetriebe meldeten Umsatzrückgänge. Dem stehen lediglich 22,2 Prozent gegenüber, die steigende Umsätze verzeichnen konnten. Besonders deutlich zeigt sich die Schwäche in verbrauchernahen Bereichen, die vom Anstieg der Konsumausgaben kaum profitieren konnten.

Mehr Insolvenzen im Handwerk

Besonders alarmierend ist die Entwicklung bei den Unternehmensinsolvenzen. Im Jahr 2025 stieg die Zahl der Pleiten im Handwerk um 13,3 Prozent auf 4.950 Fälle. Damit erreichten die Insolvenzen den höchsten Stand seit mehr als zehn Jahren.

Die Ursachen sind vielfältig:

  • gestiegene Energiepreise
  • höhere Materialkosten
  • wachsende Lohnkosten
  • schwache Konjunktur

Viele Betriebe verfügen über zu geringe finanzielle Reserven, um diese Belastungen dauerhaft zu tragen.

Personalabbau setzt sich fort

Auch der Arbeitsmarkt im Handwerk zeigt deutliche Bremsspuren. 22,1 Prozent der Betriebe haben ihren Personalbestand reduziert, während lediglich 20,6 Prozent neue Mitarbeiter eingestellt haben.
Damit setzt sich ein Trend fort, der bereits seit mehreren Jahren zu beobachten ist. Laut Creditreform baut das Handwerk inzwischen seit drei Jahren Arbeitsplätze ab – ein Tempo, das zuletzt vor rund zwei Jahrzehnten erreicht wurde.

Neben der schwachen Konjunktur verschärfen zwei strukturelle Faktoren die Situation:

  • der demografische Wandel
  • der anhaltende Nachwuchsmangel

Eigenkapital bleibt entscheidender Stabilitätsfaktor

Trotz der schwierigen wirtschaftlichen Lage hat sich die Eigenkapitalbasis vieler Betriebe verbessert. 26,8 Prozent der Unternehmen melden eine hohe Eigenkapitalquote – der beste Wert seit Ende der 1990er Jahre.
Gleichzeitig bleibt die Situation für viele Betriebe kritisch: Rund ein Drittel der Handwerksunternehmen verfügt über eine Eigenkapitalquote von unter zehn Prozent.

Gerade im Baugewerbe und im Nahrungsmittelhandwerk sind viele Unternehmen finanziell besonders anfällig.

Nachfolgeproblem spitzt sich zu

Ein weiteres strukturelles Problem betrifft die Unternehmensnachfolge. Die klassische Übergabe innerhalb der Familie verliert zunehmend an Bedeutung.

Nur noch für rund die Hälfte der Betriebe kommt eine familieninterne Nachfolge infrage. Gleichzeitig gestaltet sich auch die Übergabe an Mitarbeiter oder externe Käufer häufig schwierig.Die Folge: Immer mehr Betriebe erwägen eine endgültige Stilllegung. Bereits heute geht etwa jeder sechste Handwerksbetrieb davon aus, dass der Betrieb nicht weitergeführt wird.

Moderate Erwartungen für 2026

Für das Jahr 2026 rechnen viele Betriebe mit einer leichten Verbesserung der Geschäftslage. 27 Prozent erwarten steigende Umsätze, während 18,4 Prozent von weiteren Rückgängen ausgehen.

Impulse könnte insbesondere ein staatliches Infrastrukturprogramm liefern. Gleichzeitig zeigt sich bei den Investitionen weiterhin Zurückhaltung: Nur 47 Prozent der Betriebe planen neue Investitionen.

Analyse: Rückgrat der Wirtschaft unter Druck

Das Handwerk gilt traditionell als Stabilitätsanker der deutschen Wirtschaft. Die aktuellen Zahlen zeigen jedoch, dass auch dieser Sektor zunehmend unter Druck gerät. Konjunkturschwäche, steigende Kosten, Fachkräftemangel und ungelöste Nachfolgefragen treffen gleichzeitig aufeinander. Ohne stärkere Investitionsimpulse und bessere Rahmenbedingungen droht der Verlust zahlreicher Betriebe – und damit auch von Know-how, Arbeitsplätzen und regionaler Wirtschaftskraft.

Quelle: Creditreform Wirtschaftsforschung, Studie „Wirtschaftslage und Finanzierung im Handwerk 2025/26“, März 2026.