Consulting-Honorare 2025: Tagessätze sinken – was das für den Mittelstand heißt

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HINTERGRUND

Nach Jahren stabiler oder steigender Beratungspreise drehen die Vorzeichen: Im Consulting sind die kalkulierten Tagessätze 2025 im Schnitt leicht rückläufig. Für mittelständische Auftraggeber ist das mehr als eine Randnotiz – denn es verändert Verhandlungsspielräume, Projektkalkulationen und die Frage, wie Effizienzgewinne durch KI künftig bepreist werden.

Die wichtigsten Ergebnisse der BDU-Studie in Kürze

  • Durchschnittlicher Tagessatz: 1.300 Euro (2025), im Schnitt -2% gegenüber dem Vorjahr.
  • Preisbewegung: 47% der Beratungen haben ihre Honorare nicht verändert.
  • Nach Disziplinen: IT-Beratung -3%, Organisationsberatung/HR -1%, Strategieberatung +2%.
  • Tagessätze nach Rolle: Geschäftsführer/Partner Ø 1.600 Euro, Analyst Ø 700 Euro.
  • KI-Einfluss: 66% sehen aktuell keinen nennenswerten Effekt auf die Honorarkalkulation; nur 1% berichtet von steigenden Honoraren – zugleich erwarten viele Veränderungen in den kommenden Jahren.

Was der Preisrückgang für KMU bedeutet

Ein Rückgang von zwei Prozent wirkt auf den ersten Blick moderat. Für den Mittelstand kann er dennoch spürbar sein – vor allem dort, wo Projekte budgetiert, verschoben oder in kleinere Lose geteilt werden. In einer schwachen Konjunktur sinken nicht nur Volumina, sondern häufig auch die Bereitschaft, „Risikoaufschläge“ in Tagessätzen zu akzeptieren.
Der BDU nennt als Ursachen unter anderem eine schwache Konjunktur, verhaltene Investitionen und geopolitische Unsicherheiten. Diese Gemengelage trifft

typischerweise zuerst die Bereiche, die stark von Projektentscheidungen abhängen – etwa IT- und Organisationsprojekte.

Warum Strategie aus der Reihe tanzt

Dass Strategieberatung als einzige Disziplin zulegt, ist ein Hinweis auf eine mögliche Zweiteilung des Marktes:
Während „Delivery“-nahe Leistungen (Implementierung, IT-Umsetzung, HR-Prozesse) preislich unter Druck geraten, bleibt Strategie dort preisstabil, wo sie als knappes Senior-Know-how oder als „C-Level“-Absicherung verkauft wird.
Für KMU heißt das: Wer Strategie einkauft, sollte Leistungsumfang und Verantwortlichkeiten besonders klar definieren – und eine saubere Trennung zwischen Diagnose (Strategie) und Umsetzung (Implementierung) verhandeln.

KI: Noch kein Preisdruck – aber die nächste Verhandlungsfront

Besonders spannend ist der KI-Befund: Aktuell hat KI bei 66% der Beratungen noch keinen nennenswerten Einfluss auf die Honorarkalkulation. Gleichzeitig rechnen viele damit, dass sich kommerzielle Modelle verändern – also die Frage, wie Effizienzgewinne zwischen Kunden und den in KI investierenden Beratungen fair verteilt werden.

Praxisfrage für den Mittelstand: „Bezahle ich Zeit – oder Ergebnis?“

Je stärker KI die Produktivität erhöht (Recherche, Analyse, Code, Dokumentation), desto schwieriger wird die klassische Tagessatzlogik zu erklären. Für KMU lohnt sich, schon heute Pilotprojekte mit klaren Deliverables zu beauftragen – und Preisbestandteile an Ergebnisse zu koppeln (z. B. Meilensteine, Abnahme, Qualitätskriterien).

Reisezeiten und Nebenkosten: Wo am Ende Geld „liegen bleibt“

Neben dem Tagessatz entscheidet die Abrechnungspraxis über die tatsächlichen Projektkosten. Laut Studie rechnen 54% Reisezeiten nicht separat, sondern im Tagessatz ab. Gleichzeitig zeigt sich ein Größenunterschied: Kleinere Beratungen arbeiten häufiger mit Einzelnachweisen, größere setzen öfter auf pauschale oder integrierte Modelle. Der durchschnittliche pauschale Reisekostenaufschlag liegt bei 190 Euro.
Bei Nebenkosten werden diese in 57% der Fälle direkt im Tagessatz abgebildet; kleinere Beratungen nutzen häufiger Einzelnachweise.
Für KMU ist hier weniger die „richtige“ Methode entscheidend als die Transparenz: Was ist inkludiert – und was nicht?

Checkliste für KMU: So wird aus dem Tagessatz ein kalkulierbares Projekt

  • Leistungsbeschreibung schärfen: Deliverables, Abnahmekriterien, Verantwortlichkeiten.
  • Tagessatz entkoppeln: Wo möglich Meilensteine / Paketpreise / Cap (Kostenobergrenze) vereinbaren.
  • Rollenmix festlegen: Anteil Senior/Junior, maximale Partner-Tage, Ersatzregel bei Personalwechsel.
  • Reise & Nebenkosten definieren: Pauschalen, Limits, Genehmigungspflicht, Remote-first als Standard.
  • KI-Klausel erwägen: Transparenz über KI-Nutzung, Datenschutz, und faire Berücksichtigung von Effizienzgewinnen.
  • Benchmarking: Vergleichsangebote einholen – besonders in IT und Organisation, wo 2025 Preisdruck sichtbar ist.

Einordnung

Der moderate Rückgang der Tagessätze ist kein „Preisverfall“, aber ein Signal: Der Consulting-Markt bewegt sich weg von der Boomphase hin zu stärkerer Nachfragedisziplin. Für den Mittelstand eröffnet das Spielräume – vorausgesetzt, Projekte werden sauber geschnitten, Leistungen klar definiert und die Gesamtkosten (inklusive Reise- und Nebenkosten) konsequent verhandelt.

Quelle

Bundesverband Deutscher Unternehmensberatungen BDU e.V.: Presseinformation/Studie „Honorare im Consulting 2025“, Bonn, 15.12.2025. Zitat: Dr. Bernhard Braunmüller (BDU-Vizepräsident).