Projektmanagement bleibt ein Stabilitätsanker – PMI-Studie sieht rund 19 % Gehaltsplus durch PMP-Zertifizierung in Deutschland

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PERSONALMANAGEMENT

Projektarbeit wird komplexer: KI-Tools, hybride Teams, neue Rollenprofile und steigende Ergebnisverantwortung verändern das Berufsbild. Eine neue Vergütungsanalyse des Project Management Institute (PMI) liefert dazu einen interessanten Befund – und eine klare Botschaft für Personalabteilungen im Mittelstand: Qualifikation wird messbar teurer, aber auch planbarer.

Die Kernaussage: Zertifizierte verdienen im Median deutlich mehr

Der Report „Earning Power: Project Management Salary Survey” (14. Ausgabe) vergleicht Gehälter von Projektfachkräften international und weist für Deutschland einen deutlichen Abstand zwischen zertifizierten und nicht zertifizierten Fachkräften aus. Demnach liegen PMP®-Zertifizierte (Project Management Professional) in Deutschland im Median bei 122.266 US-Dollar, nicht zertifizierte Projektfachkräfte bei 102.825 US-Dollar – ein Abstand von 18,9 %.

Mit steigender Erfahrung wächst laut den ausgewiesenen Daten auch der Abstand: Für Personen mit mehr als zehn Jahren Zertifizierungserfahrung nennt PMI ein Median-Gehalt von 137.994 US-Dollar; Projektfachkräfte mit weniger als fünf Jahren liegen bei 105.619 US-Dollar.

Hinweis zur Einordnung: Die Angaben werden in US-Dollar ausgewiesen. Für deutsche Unternehmen zählt die Gesamtvergütung in Euro – entscheidend ist daher weniger der exakte Umrechnungskurs als die Größenordnung des Abstands (knapp 19 % im Median).

Was das für den Mittelstand bedeutet

1) Recruiting wird anspruchsvoller – und teurer

Wenn Zertifizierungen im Markt ein spürbares Gehaltsplus signalisieren, steigt der Druck auf mittelständische Arbeitgeber: Wer Projektkompetenz einkauft, konkurriert stärker mit Großunternehmen, Beratungshäusern und internationalen Playern. Gleichzeitig kann eine klare Qualifizierungsstrategie helfen, interne Talente zu entwickeln – statt ausschließlich im angespannten Markt zu suchen.

2) Weiterbildung als Bindungsinstrument – aber mit „Return-on-Skills“

Für KMU kann es sinnvoll sein, Zertifizierungen gezielt zu fördern – jedoch nicht als Selbstzweck. Entscheidend ist, ob die Qualifizierung zu besserer Projektsteuerung, höherer Liefertreue, weniger Reibungsverlusten und mehr Kundenzufriedenheit führt. In anderen Worten: Zertifikate sollten in ein messbares Kompetenzmodell eingebettet sein (Methodik, Stakeholder-Management, Business Acumen, KI-Kompetenz).

3) Projektmanagement wird strategischer – nicht nur operativer

PMI betont in weiteren Veröffentlichungen die wachsende Bedeutung unternehmerischen Denkens („Business Acumen“) für Projekterfolg. Für den Mittelstand ist das ein wichtiger Punkt: Projektleitungen brauchen nicht nur Tools und Methoden, sondern Verständnis für Wertbeiträge, Prioritäten, Risiken und Ergebnisverantwortung. :contentReference[oaicite:0]{index=0}

Gehälter steigen – trotz Unsicherheit

Laut PMI berichten weltweit nahezu zwei Drittel der PMP-Zertifizierten über Gehaltserhöhungen im Vorjahr; bei einem Großteil davon lagen die Erhöhungen bei bis zu zehn Prozent. Für Personalentscheider ist das ein Signal: Projektkompetenz bleibt ein Feld mit vergleichsweise robuster Vergütungsdynamik – selbst in konjunkturell unsicheren Phasen. :contentReference[oaicite:1]{index=1}

Fachkräftebedarf: Der Engpass bleibt strukturell

Parallel zur Gehaltsentwicklung verweist PMI auf eine strukturelle Lücke am Arbeitsmarkt: Der „Global Project Management Talent Gap Report“ beziffert den möglichen zusätzlichen Bedarf weltweit auf bis zu 30 Millionen Projektfachkräfte bis 2035. Für Deutschland nennt PMI eine Größenordnung von bis zu 591.000 zusätzlichen Projektfachkräften bis 2035. :contentReference[oaicite:2]{index=2}

Zitat

„Während der Bedarf an qualifizierten Projektfachkräften weiter steigt, zeigt die Salary Survey, dass sich anerkannte Zertifizierungen in Deutschland messbar auszahlen.“

Denis Lassance, Regional Managing Director Europa, PMI

(Zitat aus PMI-Mitteilung; Kontext: Einordnung der Salary-Survey-Ergebnisse.) :contentReference[oaicite:3]{index=3}

Methodik (kurz)

Die 14. Ausgabe der „Earning Power: Project Management Salary Survey“ basiert laut PMI auf einer Befragung von 14.628 Projektfachkräften aus 21 Ländern; Feldzeitraum 9. März bis 19. April 2025. Die Datenerhebung erfolgte in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsunternehmen PeriscopeIQ. :contentReference[oaicite:4]{index=4}

MJ-Einordnung: Was Personalabteilungen jetzt pragmatisch tun können

  • Projektrollen sauber definieren: Projektleitung, Teilprojekt, PMO, Programm/Portfolio – mit klaren Kompetenzstufen.
  • Qualifizierung zielgerichtet fördern: Zertifizierung + Praxis-Coaching + Review-Kultur (Lessons Learned, Qualitäts-Gates).
  • Gehälter benchmarken: Nicht blind „US-Dollar-Mediane“ übernehmen, aber die Differenz als Markttrend verstehen.
  • KI-Kompetenz ergänzen: Nicht nur Tools einführen, sondern Guidelines, Datenschutz, Nutzen-Tracking, Training.

Berlin, 17. Dezember 2025

Quelle: Project Management Institute (PMI), „Earning Power: Project Management Salary Survey – 14th Edition“ (Hinweise und Download über PMI). 
Transparenz: Die genannten Gehaltswerte stammen aus einer PMI-Veröffentlichung. Das Mittelstandsjournal ordnet die Daten im Kontext von Recruiting- und Qualifizierungsentscheidungen ein.