Jahreswirtschaftsbericht 2026: 1 % Wachstum – und warum der Mittelstand jetzt Tempo braucht
Die Bundesregierung hat den Jahreswirtschaftsbericht 2026 im Kabinett beschlossen – mit einer Wachstumsprognose von 1,0 Prozent für das reale Bruttoinlandsprodukt. Nach den zurückliegenden Rezessionsjahren ist das ein positives Signal. Gleichzeitig ist es noch keine Trendwende.
Genau an dieser Stelle setzt das Wirtschaftsforum der SPD e.V. an: Verbandspräsidentin Prof. Dr. Ines Zenke fordert „mehr Machen, weniger Debattieren“ – bei Energiepreisen, Bürokratieabbau und Sozialstaatsreformen.Für den Mittelstand ist die Frage nicht, ob irgendwo 1,0 Prozent Wachstum stehen – sondern ob daraus verlässlich Aufträge, Investitionssicherheit und wettbewerbsfähige Kostenstrukturen werden. Das Wirtschaftsforum liefert dafür eine wirtschaftspolitische Agenda. Wir ordnen ein: wohlwollend, aber mit dem Blick auf Umsetzbarkeit und Wirkung in der betrieblichen Praxis.
Was der Jahreswirtschaftsbericht verspricht – und wo die Sollbruchstellen liegen
Die Bundesregierung rechnet 2026 mit 1,0 Prozent realem Wachstum. Das Wachstum soll maßgeblich von staatlichen Investitionen getragen werden. Parallel verweist die Bundesregierung auf einen investitionsstarken Haushalt – in der öffentlichen Debatte ist dabei insbesondere das Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität zentral.
Die zentrale Sollbruchstelle ist bekannt – und sie trifft KMU besonders: Tempo und Umsetzungskapazität. Wenn Investitionsprogramme in Verfahren, Föderalismus und Vergabepraxis steckenbleiben, entsteht zwar Statistik, aber zu wenig reale Nachfrage im Markt. Für Betriebe wird dann aus dem angekündigten Investitionsschub vor allem eines: Planungsunsicherheit.
Die Botschaft des Wirtschaftsforums der SPD: Reformkurs ja – aber bitte wirksam
Das Wirtschaftsforum der SPD begrüßt die Prognose, verbindet sie jedoch mit klaren Erwartungen an die Regierung: Energiepreise senken, Entbürokratisierung vorantreiben, Sozialstaat reformieren und die Mittel aus dem Sondervermögen strikt investiv einsetzen, damit die konjunkturelle Wirkung nicht verpufft.
Diese Linie ist grundsätzlich mittelstandsnah: KMU leiden stärker unter hohen Fixkosten, langsamen Genehmigungen und dokumentationslastigen Pflichten als Großunternehmen mit Stabsabteilungen. Zugleich gilt: Forderungen sind schnell formuliert – entscheidend ist die Umsetzungsqualität.
1) Energiepreise: Entlastung muss bei Betrieben ankommen
Für Industrie und Mittelstand bleibt Energie ein Wettbewerbsfaktor. Eine Senkung der Energiepreise wirkt nur dann, wenn sie nicht in kleinteiligen Förderlogiken, wechselnden Kriterien und nachträglichen Prüfregimen endet. Betriebe brauchen planbare, nachvollziehbare Kostenpfade – nicht nur Programme, die man „beantragen kann“.
2) Bürokratieabbau: Der Test ist der Alltag, nicht die Pressekonferenz
Entbürokratisierung wird politisch oft versprochen – und im Betrieb selten gespürt. Für KMU wäre ein belastbarer Maßstab: Weniger Pflichtstunden für Nachweise, Dokumentation und Meldungen. Ein guter Bürokratieabbau ist messbar: weniger Formulare, weniger Schnittstellen, weniger Doppelmeldungen – und kürzere Verfahrenszeiten bei Genehmigungen, Förderungen und Vergaben.
3) Sozialstaat reformieren: Sensibles Feld – aber nicht tabu
Die Forderung nach Reformen im Sozialstaat ist politisch aufgeladen. Aus Mittelstandssicht geht es jedoch oft pragmatisch um zwei Punkte: Arbeitsanreize und Finanzierbarkeit – vor allem vor dem Hintergrund von Fachkräftemangel, demografischem Druck und steigenden Lohnnebenkosten. Hier braucht es eine Debatte, die konkrete Zielkonflikte offenlegt – statt Schlagworte zu pflegen.
Was jetzt zählt: Produktivität, Umsetzungstempo, private Investitionen
Der Jahreswirtschaftsbericht setzt auf Investitionen und Strukturreformen. Das Wirtschaftsforum ergänzt: Produktivität und Innovation priorisieren, industrielle Resilienz stärken und digitale Wertschöpfung ausbauen. Aus MJ-Sicht ist das der richtige Dreiklang – mit einem Zusatz:
- Öffentliche Investitionen müssen schnell in Projekte, Aufträge und reale Bau-/Modernisierungsleistung übersetzt werden.
- Private Investitionen brauchen Vertrauen in stabile Rahmenbedingungen (Energie, Steuern/Abgaben, Genehmigungen, Regulierung).
- Geopolitische Unsicherheit und Handelsrisiken erhöhen den Druck, Lieferketten, Absatzmärkte und Standortkosten resilienter zu machen.
Wenn 2026 tatsächlich ein Aufschwungjahr werden soll, reicht „mehr Geld“ allein nicht. Dann müssen Staat und Verwaltung zeigen, dass Deutschland nicht nur Programme beschließen, sondern wirksam liefern kann.
H4-Fazit
Ein gutes Signal – aber der Mittelstand braucht den Beweis im Betrieb
Das prognostizierte 1,0 Prozent Wachstum ist ein Lichtblick nach schwierigen Jahren. Die Forderungen des Wirtschaftsforums der SPD – Energiepreise runter, Bürokratie runter, Investitionen wirksam – sind in der Stoßrichtung plausibel. Entscheidend ist jedoch die Umsetzung: Kommt die Entlastung an? Beschleunigen sich Verfahren? Werden Investitionsmittel schnell zu Aufträgen? Für KMU ist 2026 damit ein Jahr der Bewährungsprobe: nicht für Ankündigungen, sondern für Tempo, Verlässlichkeit und messbare Alltagseffekte.
Redaktion Mittelstandsjournal Berlin, 28. Januar 2026

