Deal-Maker sind keine Friedensstifter

Ukrainekrieg, USA, Europa – warum „schnelle Deals“ selten stabilen Frieden bringen.
Die Sehnsucht nach einem schnellen Ende des Krieges in der Ukraine ist menschlich – und politisch gefährlich, wenn sie zur Illusion eines „Deal-Friedens“ wird. Wer Außenpolitik wie ein Immobiliengeschäft behandelt, verspricht zwar rasche Ergebnisse, produziert aber oft genau das Gegenteil: instabile Abmachungen, die den nächsten Konflikt vorbereiten.
Verlässlichkeit, Abschreckung, Regeln – und durch Sicherheitsgarantien, die auch in fünf Jahren noch gelten.
1) Frieden ist kein Immobilien-Deal
Ein Deal ist ein Abschluss. Frieden ist eine Ordnung. Wer Politik nach dem Muster „Druck – Zugeständnis – Unterschrift“ denkt, unterschätzt, worum es in der Ukraine tatsächlich geht: um Souveränität, Grenzen, Sicherheitsarchitektur – und um die Frage, ob militärische Aggression am Ende belohnt wird.
2) „24 Stunden“ – das war nie ein Konzept
Trumps berühmtes Versprechen, den Krieg „in 24 Stunden“ zu beenden, hat er später selbst relativiert. Schon daran sieht man: Es ging um Wirkung – nicht um ein belastbares Friedensdesign.
3) Was ein Deal-Frieden in der Praxis bedeuten würde
Aktuelle Berichte über Entwürfe und Verhandlungsansätze aus dem Umfeld der Trump-Administration weisen in eine Richtung:
Gebietsverzichte, Begrenzung der ukrainischen Verteidigungsfähigkeit – und ein „Einfrieren“ des Konflikts. Das wäre politisch bequem, strategisch aber brandgefährlich:
- Belohnung von Gewalt: Wer Grenzen verschiebt, bekommt Land.
- Einladung zur Wiederholung: Ein Waffenstillstand ohne Abschreckung ist oft nur eine Pause.
- Signale an andere Autokraten: „Es lohnt sich, hart zu bleiben.“
4) Europas Risiko: Bündnisse als Verhandlungsmasse
Wer die Beistandslogik der NATO öffentlich relativiert („wenn sie nicht zahlen, verteidige ich sie nicht“), schwächt Abschreckung, erhöht Unsicherheit – und macht Europa erpressbarer. Genau diese Unsicherheit ist ein strategischer Vorteil für Moskau.
5) Nähe zu „starken Männern“ – falsche Instinkte
Trumps wiederholte öffentliche Sympathien für autoritäre Führer wie Putin sind dokumentiert – und politisch relevant.
Wer Autokraten als „stark“ bewundert, wird ihnen in kritischen Momenten eher Spielraum geben als Grenzen setzen.
Sondern: „Welche Ordnung verhindert, dass in zwei Jahren wieder geschossen wird?“
6) Was stattdessen nötig ist
Ein tragfähiger Frieden braucht – nüchtern – drei Bausteine:
- Verlässliche Sicherheitsgarantien (nicht nur politische Absichtserklärungen).
- Militärische Abschreckung (damit ein Bruch des Friedens teuer wird).
- Europäische Handlungsfähigkeit (damit Europa nicht Objekt, sondern Akteur ist).
Dass Kiew über Sicherheitsgarantien sogar unterhalb einer NATO-Mitgliedschaft nachdenkt, zeigt: Die Ukraine sucht realistische Lösungen – aber nicht um den Preis ihrer Selbstaufgabe.
Fazit
Ein Deal-Maker kann einen Waffenstillstand „verkaufen“. Einen stabilen Frieden sichert er nicht – zumindest nicht, wenn Verlässlichkeit, Bündnistreue und Regeln zur Verhandlungsmasse werden. Europas Aufgabe ist daher klar: nicht auf Heilsversprechen warten, sondern die eigene Sicherheits- und Wirtschaftskraft so zu bündeln, dass Frieden nicht vom nächsten Wahlkampf abhängt.
Auch die jüngsten Gespräche in Berlin ändern nichts an der grundsätzlichen Frage, ob ein verhandelter Waffenstillstand ohne belastbare Sicherheitsgarantien mehr ist als eine Atempause.“
Faktenbasis: öffentlich dokumentierte Aussagen
und aktuelle Berichterstattung zu
US-Friedensentwürfen und NATO-Positionen.
