Rente unter Reformdruck: Was Deutschland jetzt wirklich tun kann
Abschluss der Serie „Rente in Europa – Was Deutschland von seinen Nachbarn lernen kann“.
Deutschland steht vor einer rentenpolitischen Herausforderung – aber weniger vor einer Krise als vor einer strategischen Entscheidung. Die Beispiele aus Österreich, der Schweiz, Skandinavien und den Niederlanden zeigen: Es gibt funktionierende Modelle in Europa. Doch keines davon lässt sich eins zu eins auf Deutschland übertragen.
Politische Realität: Reformen nur mit Augenmaß
Derzeit sind die Möglichkeiten begrenzt: Die Schuldenbremse gilt, die Koalition ist zerstritten und der Wahlkampf 2025 wirft bereits seinen Schatten voraus. Das Fenster für große Reformen ist klein – aber nicht geschlossen. Realistisch denkbar sind
Anpassungen, die wenig kosten, planbar sind und keine Wählergruppe offen benachteiligen.
Was machbar ist – ohne Systemumbruch
- Digitales Rentenkonto für alle – nach Vorbild Schweden.
- Teilrente und flexible Übergänge – „faktische“ Erhöhung des Rentenalters.
- Pflichtversicherung für Selbstständige – gestaffelt und EU-konform.
- Stärkere betriebliche Vorsorge (bAV) – vor allem für KMU, steuerlich gefördert.
- Förderung von Mentorrollen für ältere Beschäftigte – Wissen sichern statt verlieren.
Das wäre keine Revolution – aber ein wichtiger Schritt hin zu mehr Planbarkeit, Transparenz und sozialer Stabilität.
Was jetzt vorbereitet werden muss
Viele strukturelle Reformen können nicht sofort umgesetzt werden – wohl aber vorbereitet für die nächste Legislatur. Dazu gehört:
- Entpolitisierung des Rentenalters – Kopplung an Lebenserwartung prüfen.
- Evaluierung eines kollektiven Kapitalfonds – nach NL-Modell.
- mögliche Einbeziehung weiterer Berufsgruppen – langfristige Finanzierungssicherheit.
Die zentrale Aufgabe einer Rentenkommission wäre daher: frühzeitig Optionen vorlegen, bevor das Problem akut wird.
Was wir nicht übernehmen sollten: Blick auf die USA
Das amerikanische System zeigt, wie stark Altersvorsorge zur sozialen Spaltung führen kann. Über 50 Prozent der Arbeitnehmer haben keinen Zugang zu betrieblichen Rentenmodellen. Millionen arbeiten bis über 70 – nicht aus Berufung, sondern aus Notwendigkeit.
Ein deutsches Rentenmodell darf keine Strafe für ein langes Berufsleben sein.
Die entscheidende Frage
Geht es bei der Rente nur um Finanzen – oder geht es um Vertrauen in den Staat?
Wer 40 Jahre gearbeitet hat, braucht kein politisches Versprechen – sondern ein verlässliches System. Für Deutschland bedeutet das:
- Die soziale Stabilität bewahren.
- Daten und Planungssicherheit stärken.
- die Rente vom Wahlkampf entkoppeln.

