Rente in der Schweiz – Drei Säulen für Stabilität und Eigenverantwortung

Drei-Saeulenmodell-Schweiz.

Was das Schweizer Modell für die deutsche Rentenreform bedeuten könnte.

Die Schweiz steht im internationalen Vergleich gut da: Hohe Rentenquoten, geringe Altersarmut und ein Rentensystem, das weitgehend akzeptiert wird – auch von Unternehmen. Der Grund dafür ist das Drei-Säulen-Modell das Sicherheit und Eigenverantwortung kombiniert.

Das Drei-Säulen-Modell im Überblick

SäuleFunktionFinanzierungVerpflichtend?
1. Säule – AHVExistenzsicherung / GrundabsicherungUmlagefinanziert (Beitragssatz: 10,6 %)Ja – für alle Erwerbstätigen
2. Säule – berufliche Vorsorge (BVG)LohnersatzfunktionArbeitgeber/Arbeitnehmer zahlen gemeinsam einJa – ab bestimmter Einkommenshöhe
3. Säule – private VorsorgeZusätzliches Sparen, steuerlich gefördertIndividuellFreiwillig

Warum funktioniert dieses System?

  • Klare Aufteilung der Verantwortung zwischen Staat, Arbeitgeber und Bürgern
  • Kapitaldeckung in Säule 2 sorgt für Stabilität trotz Demografie
  • Betriebe setzen aktiv auf Renten- und Vorsorgemodelle – Teil der Arbeitgeberattraktivität
  • Hohe Transparenz: Rentenformeln und Beiträge sind verständlich

Ein wichtiger Punkt: Die 2. Säule macht Arbeitnehmer abhängig vom Unternehmen.
Wer gute Arbeitgeber hat, profitiert – wer prekär arbeitet, verliert. Das führt auch in der Schweiz zu Ungleichheit. Doch die Akzeptanz des Systems ist hoch.

Was Deutschland lernen könnte

  1. Mehr betriebliche Vorsorge – aber verbindlicher und einfacher geregelt.
  2. Kombination aus Umlage und Kapitaldeckung als Stabilitätsanker.
  3. Frühzeitige Vorsorge in Unternehmen statt Abwarten bis zum Rentenalter.
  4. Transparente Rentenformel, keine Bürokratie-Labyrinthe wie bei Riester.
  5. Förderung der Eigenverantwortung – steuerlich motiviert, nicht bürokratisch.

Risiken eines Schweizer Modells in Deutschland

Übertragen lässt sich das Schweizer System nicht eins zu eins. Gründe:

  • Deutschland hat eine andere Einkommensstruktur – vor allem im Niedriglohnsektor.
  • Kleine Betriebe könnten überfordert sein (Verwaltung, Rücklagen, Kapitalmanagement).
  • Soziale Ungleichheit könnte größer werden – wenn keine Ausgleichsmechanismen greifen.

Fazit: Eine Inspiration – keine Blaupause

Die Schweiz beweist, dass ein mixfinanziertes und mehrstufiges Rentensystem dauerhaft stabil sein kann. Für Deutschland könnte das Modell eine Richtung vorgeben – aber keine Kopiervorlage sein.
Wahrscheinlich braucht es einen Systemmix, der Elemente aus Österreich (Pflichtversicherung), Schweiz (betrieblich-kapitalgedeckte Säule) und Skandinavien (Renteneinstieg an Lebenserwartung gekoppelt) kombiniert.