Moderne-Waermepumpen-im-Industrieumfeld

KI trifft Klimaschutz – wie die Industrie heute schon dekarbonisiert

In Hilchenbach zeigt ein reales Projekt, wie industrielle Dekarbonisierung schon heute funktioniert – ganz ohne fossile Energien. GETEC und die SMS group haben eine der größten Luft-Wasser-Wärmepumpenanlagen Deutschlands in Betrieb genommen. Über 6.000 Tonnen CO₂ Einsparung pro Jahr. Doch entscheidend ist: Dieses System könnte auch für den Mittelstand ein Modell sein.

Ein Industriestandort stellt um – ohne fossile Energie

50.000 Quadratmeter Hallen, Büros und Kantine werden künftig rein elektrisch beheizt – mit Strom aus erneuerbaren Quellen.
Die Anlage kombiniert mehrere Wärmepumpentechnologien, ein Pufferspeichersystem und einen vollelektrischen Heizkessel.
Das Ergebnis: Der Standort Hilchenbach der SMS group verzichtet vollständig auf Gas und Öl – dauerhaft.

Technische Eckdaten im Überblick:

  • 4 Luft-Wasser-Wärmepumpen mit 3 MW thermischer Leistung
  • Wasser-Wasser-Wärmepumpen liefern bis zu 85 °C Prozesswärme
  • Elektrischer Kessel als Backup – bis 95 °C rein elektrisch
  • 2.000 m³ Pufferspeicher für Spitzenlasten
  • Strom ausschließlich aus erneuerbaren Quellen
  • 6.000 Tonnen CO₂-Einsparung pro Jahr

KI als Energie-Manager – der eigentliche Hebel

Die Anlage ist mehr als ein technisches System: Sie reagiert wie ein lernendes Nervensystem. Ein KI-Prognosemodell steuert Laufzeiten abhängig von Wetter, Strompreis und Bedarf – und nutzt Wärme dann, wenn der Strom besonders grün und günstig ist. Dadurch sinken Betriebskosten spürbar.

„Die Power-to-Heat-Anlage ist ein zentraler Baustein auf unserem Weg zum klimaneutralen Betrieb –
und ein Signal an alle weiteren Standorte weltweit.“
Fabíola Fernandez, CFO der SMS group

Ist das auch für den Mittelstand machbar?

Ja – wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Entscheidend ist die modulare Bauweise: Die Technologie kann verkleinert werden und auch für Betriebe mit 100 bis 300 Mitarbeitenden funktionieren.Vor allem wenn Prozesswärme – nicht nur Raumwärme – gebraucht wird.

Voraussetzungen für KMU:

  • Verfügbarkeit von Ökostrom / Eigenstromproduktion (PV oder Wind)
  • Förderung über das Programm BEW – Bundesförderung effiziente Wärmenetze
  • Digitaler Lastplan / Steuerung (idealerweise mit KI-Unterstützung)
  • Puffersysteme für Lastspitzen

Was Mittelständler wissen sollten

Laut Experten kann sich die Investition in 5–8 Jahren amortisieren – vorausgesetzt, Planung, Digitalisierung und Energiemanagement werden zusammen gedacht. Entscheidend ist nicht die Hardware, sondern die Strategie dahinter.

5 Learnings für den Mittelstand:

  1. Dekarbonisierung ist machbar – technisch und wirtschaftlich.
  2. KI kann Energiekosten spürbar senken.
  3. Förderprogramme wie BEW sind ein Schlüssel.
  4. Modulare Systeme ermöglichen individuelle Größenordnung.
  5. Wer früh investiert, verschafft sich einen Wettbewerbsvorteil.

Fazit: Die Energiewende wird industriell – oder gar nicht

Das Projekt in Hilchenbach zeigt: Dekarbonisierung ist kein politisches Ziel, sondern ein wirtschaftlicher Faktor. GETEC und SMS beweisen, dass klimaneutrale Industrieproduktion möglich ist – heute, nicht 2040.
Der Druck wächst. Aber auch die Chancen. Wer jetzt handelt, investiert nicht nur in Technik – sondern in Resilienz.

Ein Beitrag aus der Redaktion des Mittelstandsjournals –
Rubrik Hintergrund & Analyse.