Angespannte Lage im produzierenden Gewerbe:
Welche Wege führen aus der Krise?
Vom Exportmotor zum Stresstest: Insolvenzen, Produktionsrückgang und Stellenabbau setzen den industriellen Mittelstand unter Druck. Was jetzt hilft: klare Prioritäten, Effizienz und neue Marktstrategien.

Datenlage: Insolvenzen, Produktion, Beschäftigung
- Insolvenzen: Laut IWH lag die Zahl der Unternehmensinsolvenzen im Mai 2025 deutlich über dem Vorjahresmonat; besonders betroffen: Produktionsbetriebe (v. a. Maschinen- und Fahrzeugbau). (IWH)
- Industrieproduktion: Der BDI meldete für 2024 ein Minus von rund 4,8 %. Für 2025 wird kein Aufwärtstrend erwartet; Prognosen deuten auf ein weiteres leichtes Minus hin. (BDI)
- Beschäftigung: Das EY-Industriebarometer weist binnen eines Jahres einen Abbau von über 100.000 Stellen in der Produktion aus, davon rund 45.000 in der Automobilindustrie. (EY)
Ursachen: Kosten, Nachfrage, Geopolitik
Mehrere Faktoren wirken gleichzeitig: hohe Energie- und Personalkosten, teurere Vorleistungen, schwache Auslandsnachfrage und andauernde geopolitische Unsicherheiten (inkl. volatiler Zölle und Handelskonflikte). Der Effekt: Margendruck, Investitionszurückhaltung und geringere Auslastung.
Fünf Hebel für die Neuaufstellung
1) Automatisierung & digitale Effizienz
- Priorisieren Sie kurzfristige ROI-Projekte (z. B. Maschinen-OEE, Rüstzeitreduktion, predictive maintenance mit vorhandenen Sensordaten).
- Prozessdaten vereinheitlichen: MES/SCADA, ERP und Shopfloor-Daten in ein Minimum Viable Data Layer überführen.
- No-/Low-Code für operative Dashboards nutzen; Pilot in 1–2 Linien, dann skaliert ausrollen.
2) Energie- und Beschaffungsvorteile sichern
- Energieportfolios: PPAs (On-/Offsite), Lastmanagement, Wärmerückgewinnung, Druckluft-Optimierung.
- Einkaufskooperationen für Rohstoffe/C-Teile; Rahmenkontrakte mit Indexformeln statt Spot.
- CO₂-Kosten antizipieren (ETS/CBAM) und Preisklauseln in Verträgen verankern.
3) Produkt- & Marktdiversifikation
- Marktbreite erhöhen: zusätzliche Exportmärkte außerhalb der Kernregion, risk-adjusted Go-to-Market.
- Modularisierung von Produkten/Plattformen, um Variantenkosten und Time-to-Market zu senken.
- Service-Umsätze ausbauen (Retrofit, Upgrades, Subskriptionen für Wartung/Monitoring).
4) Kreislaufwirtschaft & Materialeffizienz
- Materialeinsatz messbar senken (Design-to-Cost/-Sustainability, Rezyklate, Rücknahme/Refurbish).
- Industriepartnerschaften für Sekundärrohstoffe und Rücklaufketten aufbauen.
5) Finanzierung & Förderung klug nutzen
- Fördermix prüfen: Invest-Zuschüsse, Zinsverbilligung, Bürgschaften (Bund/Land, KfW/LfA etc.).
- Working-Capital stabilisieren: Bestandsdrehung, Zahlungsziele, Supply-Chain-Finanzierung.
- Steuerliche Hebel (Forschungszulage, Sonder-AfA) konsequent ziehen.
Ausblick 2026: Stabilisierung vor Wachstum
Die Konjunktur bleibt anfällig. Wer jetzt Effizienz hebt, Energiekosten planbarer macht und Absatzrisiken verteilt, geht mit robusterer Kostenstruktur in den nächsten Zyklus – und kann bei einem Nachfrageimpuls schneller hochfahren.