Finanzielle Sorgen auf Rekordhoch:
Was heißt das für Mittelstand und Markt?
CRIF-Studie belegt: 80 Prozent der Deutschen blicken mit Unsicherheit auf ihre finanzielle Zukunft
Deutschland – Sorgenland Europas?
Vier von fünf Deutschen blicken mit Sorge auf ihre finanzielle Zukunft – deutlich mehr als vor einem Jahr. Das zeigt die neue CRIF-Studie „Banking on Banks“ 2025. In keinem der untersuchten Länder ist die Unsicherheit so hoch wie hierzulande: Deutschland steht mit 80 Prozent an der Spitze der europäischen Sorgenstatistik. Zum Vergleich: In Frankreich sind es 72 %, in Italien 66 %.
28 % der Deutschen erwarten konkret eine Verschlechterung ihrer Lebensverhältnisse. Besonders betroffen: die Altersgruppe der 35- bis 54-Jährigen, bei denen der Wert sogar bei 35 % liegt. Das sind jene, die traditionell für Konsum, Finanzierung und Unternehmensgründungen entscheidend sind.
Folgen für Konsum und Liquidität
Die Folgen sind vielschichtig: Laut Studie erwarten 27 % der Befragten, dass ihnen am Monatsende weniger Geld zur Verfügung steht. 24 % befürchten, Rechnungen nicht mehr fristgerecht bezahlen zu können – ein Negativrekord in Europa. Auch die Sorge, Miete oder Hypotheken nicht mehr stemmen zu können, äußern fast 10 % der Deutschen.
Das wirkt sich unmittelbar auf die Liquidität von Unternehmen aus: Zahlungsverzögerungen nehmen zu, während gleichzeitig die Konsumbereitschaft sinkt.
Finanzverhalten im Wandel: Digitale Tools und neue Risiken
Vor dem Hintergrund gestiegener Lebenshaltungskosten zeigt die Studie eine Veränderung im Finanzverhalten:
- 52 % der Deutschen haben neue Kreditrahmen oder Kreditkarten in Anspruch genommen
- 20 % nutzen inzwischen Buy-Now-Pay-Later-Dienste (BNPL)
- 28 % zahlen häufiger mit Bargeld, um das Budget besser zu kontrollieren
- 44 % nutzen häufiger digitale Kontrollen via App oder Onlinebanking
Gleichzeitig wurden seit Anfang 2024 rund 12 % der Kreditwünsche abgelehnt – auch dies ein europäischer Höchstwert. Finanzielle Teilhabe wird schwieriger.
Was heißt das für den Mittelstand?
Die Ergebnisse der CRIF-Studie sind ein deutliches Warnsignal für mittelständische Unternehmen. Sie zeigen, dass wirtschaftliche Erholung auf dem Papier nicht automatisch zu Stabilität im Alltag führt. Besonders betroffen sind Geschäftsmodelle mit hoher Konsumabhängigkeit.
Empfehlungen für KMU:
- Liquidität sichern: Frühzeitige Bonitätsprüfungen, Factoring, Zahlungsziele anpassen
- Verbraucherverhalten analysieren: Reagieren Sie auf digitale Trends beim Finanzmanagement
- Sozialverantwortung zeigen: Finanzielle Belastungen von Kunden erkennen und mit Zahlungsmodellen abfedern
Kritik an Finanzdienstleistern: Systemisches Versagen?
Die Ergebnisse werfen auch Fragen an die „Zunft“ der Finanzdienstleister auf: Wenn Kreditverweigerung trotz gestiegener Nachfrage zunimmt und digitale Dienste zwar komfortabler, aber nicht sozialverträglicher werden – wie gut ist die Branche dann noch an den Bedürfnissen der Menschen orientiert?