Die wohlwollende Interpretation, der Bundeskanzler habe in den vergangenen Jahren „unter schwierigen Umständen solide geführt“, hält einer nüchternen Betrachtung nicht stand. Olaf Scholz hat nicht geführt. Er hat gezögert. Drei Jahre lang fehlte eine erkennbare Strategie – außenpolitisch, europapolitisch und sicherheitspolitisch. Diese Zeit ist verloren. Scholz wird rückblickend als Übergangskanzler in die Geschichte eingehen: verwaltend, abwartend, reaktiv. In einer Phase, in der Europa Führung gebraucht hätte, blieb Deutschland unentschlossenDas war kein taktisches Kalkül, sondern Ausdruck strategischer Leere.