Homeoffice hinterlässt Spuren:
Jede vierte Firma kämpft mit leerstehenden Büros
ifo-Umfrage zeigt strukturellen Wandel auf dem Büroimmobilienmarkt – Mittelstand weniger betroffen, aber wachsam
Von der Schaltzentrale zum Leerstand: Das Büro verliert seine einstige Allmacht. Eine neue Studie des ifo Instituts offenbart, wie tiefgreifend sich die Arbeitswelt wandelt – und welche Folgen das für den Immobilienmarkt, die Unternehmenskultur und den Mittelstand hat.
München/ Mai 2025 -Die Präsenzpflicht war einmal. Die neue Realität heißt hybride Arbeit. Homeoffice und digitale Meetings führen in immer mehr Unternehmen zu strukturellem Leerstand: Laut einer aktuellen Umfrage des ifo Instituts melden 26,3 Prozent der deutschen Firmen eine zu geringe Auslastung ihrer Büroflächen. Damit zeichnet sich ein Trend ab, der die gewerblichen Immobilienmärkte ebenso wie das Selbstverständnis des Arbeitsplatzes erschüttert.
„Der Büroimmobilienmarkt befindet sich in einem strukturellen Wandel“, erklärt ifo-Forscher Simon Krause. „Unternehmen setzen zunehmend auf Effizienz, flexible Nutzung und neue Arbeitsplatzkonzepte.“
Verkleinerung auf dem Vormarsch
Bereits 10,3 Prozent der befragten Unternehmen haben ihre Büroflächen reduziert – Tendenz steigend. 12,5 Prozent planen dies innerhalb der nächsten fünf Jahre. Besonders in den großen Dienstleistungsunternehmen ist die Dynamik ausgeprägt: Fast jedes fünfte Unternehmen (19,2 Prozent) hat bereits Flächen zurückgegeben, knapp ein Viertel (22,7 Prozent) plant den Schritt bis 2030.
Dagegen ist der Trend im Baugewerbe und Einzelhandel (1,3 % bzw. 4,1 % aktuell verkleinert) nur schwach ausgeprägt. Im Mittelstand halten sich die Zahlen mit 6,6 Prozent (verkleinert) und 9,5 Prozent (geplant) im moderaten Bereich – noch.
Dienstleistungsbranchen besonders betroffen
Besonders hart trifft es die Kreativ- und Wissensindustrien. In den Sektoren Werbung und Marktforschung, IT, Telekommunikation, Film & Fernsehen sowie Informationsdienstleistungen meldet mehr als die Hälfte der Unternehmen eine Unterauslastung. In diesen Branchen wird Homeoffice nicht nur geduldet, sondern aktiv gefördert.
Ein Besprechungsraum ohne Besprechung – das ist vielerorts kein Symbol für Krise, sondern für Effizienz.
Chance oder Risiko für den Mittelstand?
Für den deutschen Mittelstand, traditionell geprägt von Präsenzkultur und persönlicher Kommunikation, ist die Entwicklung ambivalent. Einerseits bieten flexible Raumkonzepte Einsparpotenziale, andererseits droht der Verlust von Unternehmenskultur und direkter Abstimmung.
KMU stehen somit vor der Herausforderung, die Balance zwischen Effizienz und Identität zu finden. Die zentrale Frage lautet: Wie viel physischer Raum braucht Zusammenarbeit in der digitalen Zukunft?
Fazit: Büroflächen unter Druck – Zeit für neue Konzepte
Die Zahlen des ifo Instituts sind kein kurzfristiger Ausschlag, sondern Ausdruck eines fundamentalen Wandels. Büroimmobilien werden neu bewertet, das Homeoffice ist gekommen, um zu bleiben – und mit ihm die Notwendigkeit für flexible, multifunktionale Flächen.
Ob Großkonzern oder Handwerksbetrieb: Der Wandel betrifft alle. Wer frühzeitig reagiert, hat die Chance, nicht nur Kosten zu senken, sondern die Arbeitswelt der Zukunft aktiv mitzugestalten.