Liquiditätsdruck in der Metall- und Elektroindustrie:

Mittelstand unter Zugzwang

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Analyse und Kritik zur aktuellen Branchenumfrage von Close Brothers Factoring

Berlin/Mainz, 07. Juli 2025 
Finanzielle Schieflage trotz wirtschaftlicher Stabilisierung?
Erwartete-Liquiditaetslage-in-den-naechsten-12-MonatenDie jüngste Umfrage der Close Brothers Factoring GmbH offenbart eine alarmierende Entwicklung in der Metall- und Elektroindustrie:
Zwei von drei befragten Unternehmen (63,5 %) rechnen in den kommenden Monaten mit einer angespannten oder gar sehr angespannten Liquiditätslage. Nur 8 % der Betriebe sehen sich aktuell von Liquiditätsproblemen völlig verschont.
Diese Zahlen sind besonders beunruhigend vor dem Hintergrund eines sich wirtschaftlich leicht stabilisierenden Umfelds. Offenbar wirken strukturelle Schwächen – etwa die hohe Kapitalbindung, gestiegene Personalkosten und volatile Absatzmärkte – stärker nach als angenommen.

Unternehmen suchen neue Wege – doch welche sind wirklich nachhaltig?

Rund 77 % der Betriebe planen aktiv, ihre Liquidität in den kommenden zwölf Monaten zu verbessern. Besonders gefragt sind dabei:

  • Sale-and-Lease-Back-Modelle (46 %)
  • Factoring – der regelmäßige Verkauf offener Forderungen (43 %)
  • Konsequentes Mahnwesen inkl. Inkasso (41,5 %)
  • Verkauf von Anlagegütern (41,5 %)
  • Darlehen (41 %)

Diese Instrumente zeigen: Der Mittelstand sucht verstärkt nach flexiblen, bankenunabhängigen Finanzierungsformen. Doch gerade der Trend zu Factoring verdient kritische Aufmerksamkeit. Denn auch wenn dieser Ansatz kurzfristig Entlastung schafft, ist er nicht für jedes Unternehmen geeignet – insbesondere dann nicht, wenn strukturelle Schwächen bestehen oder keine kontinuierlich hohen Forderungsvolumina vorliegen.

Ursachenforschung: Nachfrageeinbruch und Kostenexplosion

Als Hauptgründe für die absehbaren Liquiditätsengpässe nennen die Unternehmen:

  • Umsatzrückgänge durch sinkende Nachfrage (35 %)
  • Steigende Personalkosten (34,5 %)
  • Steigende Rohstoffpreise (34 %)
  • Lieferengpässe (29,5 %)
  • Zahlungsverzögerungen (27 %)
  • Zahlungsausfälle (22,5 %)

Die Liste liest sich wie ein Spiegelbild der multiplen Krisen: Fachkräftemangel, geopolitische Unsicherheiten, Lieferkettenprobleme, Inflation. Besonders der Nachfragerückgang zeigt, dass viele mittelständische Betriebe nicht ausreichend resilient aufgestellt sind, um zyklische Schwankungen abzufedern.

Factoring als Hoffnungsträger – aber kein Allheilmittel

Der deutliche Anstieg des Interesses an Factoring – von 34,5 % im Vorjahr auf nunmehr 43 % – belegt, dass Unternehmen auf kurzfristige Liquiditätsgewinne setzen. Close Brothers wirbt offensiv mit Vorteilen wie Verbesserung der Eigenkapitalquote und schneller Auszahlung innerhalb von zehn Tagen.
Doch Kritiker warnen: Diese Lösungen greifen zu kurz, wenn sie nicht mit langfristigen Strukturreformen und besserem Forderungsmanagement verknüpft sind.

Hinzu kommt, dass Factoring nur dann sinnvoll ist, wenn die Bonität der Kunden solide ist – in schwachen Märkten jedoch geraten oft gerade diese Kunden unter Druck. Das Ausfallrisiko übernimmt der Factor, doch die Kosten dafür steigen entsprechend.

Fazit: Symptomtherapie reicht nicht aus

Die Umfrage zeigt: Der Mittelstand sucht nach Lösungen – aber vielfach unter Handlungsdruck und ohne strategischen Weitblick. Die Diversifikation von Finanzierungsinstrumenten ist sinnvoll, darf aber nicht davon ablenken, dass nachhaltige Investitionen, Innovationsfähigkeit und Marktorientierung die wahren Schlüssel zur Resilienz sind.

Factoring kann helfen – aber nur, wenn es Teil eines umfassenden Finanzkonzepts ist. Andernfalls droht es, kurzfristig zu stabilisieren, aber langfristig strukturelle Defizite zu kaschieren.

Quellen & weiterführende Informationen:

Autor: Mittelstandsjournal Redaktion