Mietpreisbremse verlängert: Soziale Gerechtigkeit oder Investitionsbremse?
Kommentar zur aktuellen Debatte um bezahlbaren Wohnraum in Deutschland
Stetten/Berlin, Juni 2025 – Die Bundesregierung hat die umstrittene Mietpreisbremse bis 2029 verlängert. Während dies für viele Mieterinnen und Mieter ein Hoffnungsschimmer in Zeiten steigender Lebenshaltungskosten ist, protestiert der BFW Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen scharf. Dessen Präsident Dirk Salewski spricht von einem „Offenbarungseid gescheiterter Wohnungsbaupolitik“ – und sieht die Branche als Opfer übermäßiger Regulierung. Doch wer sind hier eigentlich die wahren Leidtragenden?
Der Blickwinkel der Immobilienlobby: Markt statt Mieterschutz
Die Pressemitteilung des BFW zeichnet ein klares Bild: Die Mietpreisbremse verhindere Investitionen, besonders in klimagerechten Neubau, und schrecke Eigentümer ab. Dass bezahlbarer Wohnraum in vielen Städten zur Mangelware geworden ist, wird eingeräumt – allerdings nicht als Folge eines entfesselten Marktes, sondern staatlicher Regulierung. Die geforderte Lösung: weniger Steuern, weniger Bürokratie, mehr Angebot – und keine staatlichen Eingriffe.
Realität auf dem Wohnungsmarkt: 499 gehen leer aus
Der Verweis des BFW auf 500 Bewerber für eine Wohnung ist unfreiwillig entlarvend. Denn er offenbart die soziale Realität: Der Markt regelt eben nicht alles – schon gar nicht sozial gerecht. Wo der Chefarzt mit exzellenter Bonität gegen die alleinerziehende Mutter oder die Pflegekraft antritt, entscheidet das Geld. Die Mietpreisbremse schützt hier zumindest symbolisch vor Willkür, auch wenn sie strukturell zu kurz greift.
Bezahlbares Wohnen – ein Grundrecht, kein Geschäftsmodell
Bezahlbarer Wohnraum ist ein Grundpfeiler sozialer Stabilität. In einer Zeit, in der die Inflation Einkommen auffrisst und immer mehr Menschen in Ballungsräumen mehr als 40 Prozent ihres Einkommens für Miete ausgeben, kann der Staat nicht tatenlos zusehen. Die Mietpreisbremse allein reicht nicht – aber sie ist ein politisches Signal: Der Wohnungsmarkt darf nicht dem Gewinnmaximierungsinteresse Weniger überlassen bleiben.
Was wirklich fehlt: Eine gemeinwohlorientierte Wohnungsbauoffensive
Der eigentliche Skandal liegt nicht in der Verlängerung der Mietpreisbremse, sondern im Ausbleiben echter Reformen. Der soziale Wohnungsbau wurde über Jahrzehnte zurückgefahren. Genossenschaften, kommunale Träger und gemeinnützige Bauprojekte bleiben unterfinanziert. Gleichzeitig werden steuerliche Anreize für Immobilieninvestoren gewährt – mit wenig sozialem Effekt. Der Markt allein schafft kein soziales Gleichgewicht.
Fazit: Regulierung ja – aber nicht ohne soziale Investitionen
Die Kritik des BFW an bürokratischen Hürden und hohen Baukosten ist nicht unberechtigt. Doch wer daraus ableitet, dass der Mieterschutz schuld am Wohnraummangel sei, verkennt die soziale Verantwortung der Branche. Eine echte Wende erfordert beides: gezielte Förderung von Neubauprojekten mit Mietpreisbindung **und** konsequenten Mieterschutz. Nur dann kann Wohnen wieder das werden, was es sein sollte – ein Zuhause, kein Spekulationsobjekt.
Redaktion Mittelstandsjournal
Hinweis: Dieser Beitrag stellt eine redaktionelle Analyse dar und wurde unabhängig von Pressemitteilungen der Immobilienwirtschaft erstellt.